20. Deutscher Lebertag am 20. November 2019

Patientenfragen vom Expertentelefon

Bei den Telefonaktionen am 6. November und 20. November 2018 wurden einige interessante Patientenfragen an unsere Experten gestellt, von denen wir Ihnen hier drei anonymisiert mitsamt den Antworten präsentieren:


Frage 1: Meine Leberwerte (GOT, GPT) sind ein wenig erhöht. Woran kann das liegen?

Antwort 1: Eine leichte Leberwerterhöhung kann viele Ursachen haben. Nicht immer muss eine Lebererkrankung zu Grunde liegen, so kann eine leichte Erhöhung auch im Rahmen eines Infektes auftreten. In jedem Fall sollte eine Kontrolle im Verlauf erfolgen und bei Fortbestehen der Erhöhung sind weitere diagnostische Maßnahmen zu empfehlen.


Frage 2: Bei einer normgewichtigen Anruferin Mitte 40 ist seit mehr als 10 Jahren eine isoliert erhöhte GGT-Aktivität bekannt. GPT, GOT, AP, Bilirubin wurden wiederholt normwertig bestimmt. Darüber hinaus waren die Virusserologien auf Hepatitis B und C negativ, die Abdomensonographie zeigte unauffällige Befunde, insbesondere ein normale Lebermorphologie. Es werden keine Medikamente eingenommen. Der Hausarzt hatte jetzt ergänzend eine Hepatitis E-Serologie bestimmen lassen; hierbei wurden Antikörper vom IgG und IgM-Typ nachgewiesen. Die Patientin fragt, ob eine chronische Hepatitis E vorliegt und ursächlich für die seit Jahren erhöhte GGT sein kann.

Antwort 2: Das Hepatitis E-Virus wird in unserer Region durch den Verzehr von unzureichend gegartem Schweine- bzw. Wildfleisch und daraus hergestellten Produkten übertragen. Die Infektion verläuft häufig asymptomatisch oder mit milden gastrointestinalen Krankheitssymptomen. Die Infektion heilt regelhaft folgenlos aus. Nur im Falle eines geschwächten Immunsystems (Dialyse, Organtransplantation mit Immunsuppression) können chronische Verläufe beobachtet werden. Im vorliegenden Fall ist eine Hepatitis E als Ursache der langjährigen isolierten GGT-Erhöhung auszuschließen. Der Antikörpernachweis kann auf eine zurückliegende Infektion hinweisen, der Nachweis von IgM-Antikörpern auch auf eine kürzlich zurückliegende Hepatitis E-Erkrankung. Unspezifische Nachweise kommen jedoch vor, so dass die Diagnose durch einen direkten Virusnachweis mittels Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) abgesichert werden sollte. Ansonsten besteht bei einer isolierte GGT bei unauffälliger Sonographie und negativer Hepatitis B/C-Serologie wenig Grund zur Sorge. Ursachen können die Einnahme von Medikamenten und/oder eine Fettspeicherung der Leber sein. Die Leberbiopsie zeigt meist unspezifische, klinisch irrelevante Befunde und sollte nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.


Frage 3: Ich habe eine chronische toxische Leberschädigung durch Alkoholkonsum. Mein Arzt sagt, dass nur das Weglassen etwas nützt. Was kann ich zur Regeneration der Leber denn noch tun? Nutzen Mariendistel oder Artischockenextrakt etwas?

Antwort 3: Es sind derzeit leider keine Naturheilmittel bekannt, welche einen alkoholbedingten Leberschaden bei Menschen erwiesenermaßen zurückbilden können. Dies gilt auch für Mariendistel (Silymarin) und Artischocken. Wenn man von Erfolgen von Naturheilmitteln liest, sind dies meistens Ergebnisse im Reagenzglas oder bei Versuchstieren, die sich aber bislang nicht eindeutig auf Menschen übertragen ließen. Menschenstudien für Artischocken sind nicht bekannt. Es gab kontrollierte Menschenstudien mit oralem Silymarin bei Alkoholzirrhose, Hepatitis C oder PBC, die aber enttäuschend verliefen: Silymarin wirkte hier nicht besser als Placebo. Infusionen mit Silibinin, einem hochkonzentrierten Extrakt aus der Mariendistel, können bei akuten Knollenblätterpilzvergiftungen helfen, ihr Nutzen für alkoholtoxische Lebererkrankungen ist jedoch nicht belegt. Bei der nicht-alkoholischen Fettleberhepatitis (NASH) hat eine Studie mit sehr hohen Konzentrationen von oral verabreichtem Silymarin zu Verbesserungen im Lebergewebe geführt, was Hoffnung auf eine Therapieoption mit dieser Substanz bei NASH macht; bei Alkoholerkrankungen gibt es für Silymarin keine solch positiven Daten. Kaffee darf bei chronischen Leberkrankheiten getrunken werden und wirkt möglicherweise sogar etwas leberschützend, ist aber kein Ersatz für konsequenten Alkoholverzicht. Bei toxischen Leberschäden steht im Vordergrund, die auslösende Substanz – in Ihrem Fall den Alkohol – konsequent zu meiden. Mit etwas Glück kann sich die Leber hier zumindest teilweise von selbst wieder etwas erholen oder stabilisieren.

 

Deutsche Leberhilfe e.V. (für die Ausrichter des Deutschen Lebertages)